Navigationsweiche Anfang

Navigationsweiche Ende

Aktuelles

  • Zoom-Videokonferenzen statt Präsenzveranstaltungen
    Die geplanten Workshops zum Forschungsdatenmanagement fallen Corona-bedingt aus in diesem... [mehr]
  • Der 4. fdm.nrw-Workshop zu elektronischen Laborbüchern
    ursprünglich geplant für den 23. April ist wegen der Corona-Krise verschoben auf den Herbst. Nähere... [mehr]
zum Archiv ->

/

Wie beurteile ich Repositorien für Forschungsdaten?

Ein gutes Zeichen ist eine Zertifizierung bzw. die Zusicherung des Betreibers, dass bestimmte anerkannte Fachstandards eingehalten werden. Auch für eine Registrierung bei re3data.org müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein. Zu einer eigenen Beurteilung können Sie kommen, indem Sie beispielsweise schauen,

  • ob und wie eine Qualitätssicherung stattfindet
  • wie die Daten gegen Verlust und unberechtigten Zugriff gesichert sind
  • wie die Nutzungsbedingungen aussehen und welche Lizenzen auf eigene Forschungsdaten vergeben werden können
Welche Inhalte finde ich in welchem Repositorium?

Eine Übersicht gibt re3data.org

Kann ich den gleichen Datensatz in zwei verschiedenen Repositorien veröffentlichen? Mit ein und demselben Identifier?

Ja. Manche Forschungsdaten sind so wertvoll, dass sie mehrfach gespeichert werden sollten. Tragen Sie den Identifier, den Sie schon bei der erstmaligen Archivierung bekommen haben, bei der zweiten Archivierung in die Metadaten ein.

Kann man für verschiedene Datensätze eines Projektes unterschiedliche Lizenzen vergeben?

Ja, das ist sogar manchmal notwendig, wenn maximale Nachnutzbarkeit erreicht werden soll. So können Umfragedaten personenbezogen sein und dürfen nicht oder nur in anonymisierter oder pseudonymisierter Form veröffentlicht werden. Die zugehörigen Paradaten (Codebücher, Erhebungsinstrumente, Intervieweranweisungen, Syntax,...) sind hingegen üblicherweise nicht personenbezogen, können aber urheberrechtlich geschützt sein. Bevor Forschungsdaten mit verbliebenem Personenbezug nachgenutzt werden, sollte immer ein Vertrag zwischen dem Archiv und den Nachnutzern geschlossen werden, in dem die Nachnutzer auf die  Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen verpflichtet werden. Die Paradaten sollten hingegen unter einer Lizenz stehen, die urheberrechtliche Einschränkungen klar benennt.

Führt die freie Verfügbarkeit von Daten dazu, dass Nachwuchswissenschaftler keine eigenen Daten mehr erheben und die eigene quantitative empirische Forschung vernachlässigen / nicht mehr erlernen?

In der Praxis ist dieses Problem bisher nicht aufgetreten. Viel mehr wird die Nachnutzung quantitativer empirischer Daten dadurch erschwert, dass die erhobenen Daten häufig personenbezogen sind und aus Datenschutzgründen vor der Archivierung aggregiert werden müssen. Eine Neuerhebung ist deshalb häufig unumgänglich.

Sind Anträge an die Ethikkommission (Datenschutz) oder Skalenhandbücher auch Bestandteil von Datenmanagementplänen?

Es ist nicht formal festgelegt, was genau in einen Datenmanagementplan hineingehört, aber Anträge als Ganzes eher nicht. Bestimmte Inhalte können aber für das Forschungsdatenmanagement dennoch wichtig sein und sollten in diesem Fall sinngemäß in den Datenmanagementplan übernommen werden. Skalenhandbücher gehören wie die Erhebungsinstrumente (Fragebögen, Leitlinien,...) und die Syntax zu den Paradaten. Paradaten gehören wiederum mit zu den Forschungsdaten und sollten auf alle Fälle archiviert werden.

Brauchen wir einen Datenmanagementplan?

Die Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten an der Bergischen Universität Wuppertal schreiben einen Datenmanagementplan nicht vor, einige Drittmittelgeber aber schon. Die DFG erwartet bereits im Projektantrag eine Erläuterung der Datenmanagementplanung. Eine Förderung durch die EU im Rahmen von Horizon 2020 setzt voraus, dass im Meilensteinplan des Projekts ein Datenmanagementplan spätestens für Projektmonat 6 vorgesehen ist. Ausnahme: Das Projekt macht von einem Opt out Gebrauch. Manche Förderrichtlinien des BMBF schreiben die Ausarbeitung eines Datenmanagementplans oder einer Datanmanagementstrategie ebenfalls vor.

Abgesehen von diesen formalen Gründen ist ein Datenmanagementplan auch aus praktischen Gründen unbedingt empfehlenswert. Nach den Grundsätzen zum Umgang mit Forschungsdaten an der Bergischen Universität Wuppertal sind Forschungsdaten mindestens 10 Jahre lang zu sichern. Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Zumindest eine Planung, was wo und wie lange aufgehoben werden muss und wer dafür verantwortlich ist, sollte es unbedingt geben. In Projekten mit vielen Projektpartnern sollte das Forschungsdatenmanagement außerdem unbedingt koordiniert werden.

Müssen Simulationsdaten auch aufgehoben werden?

Grundsätzlich ja. Wenn aber im Antrag auf Forschungsförderung klar begründet werden kann, dass es nicht möglich sein wird, der zehnjährigen Speicherpflicht nachzukommen, weil die Datenmengen viel zu groß sind und die Forschungsarbeit dann nicht stattfinden könnte, bestehen trotzdem Chancen auf eine Förderung. Es sollten dem Förderer gegenüber dann am besten dargelegt werden, wie lange Sie Ihre Daten verfügbar halten könnten bzw. wie lange die Daten durch Wiederholung der Simulationsrechnung wiederherstellbar blieben.

Von der Wiederherstellbarkeit der Daten über einen Zeitraum von 10 Jahren auszugehen, ist meist unrealistisch, weil nicht nur die selbst geschaffene Software erhalten bleiben muss, sondern auch die, auf die während der Simulationsrechnung zugegriffen wird, z.B. Software-Bibliotheken, und das in der Version, die in der Forschung eingesetzt wurde. Hinzu kommt, dass auch die Software für die weiteren Verarbeitungsschritte erhalten bleiben müsste. Noch schwieriger wird es, wenn die Rechner-Hardware innerhalb des 10-Jahreszeitraums ausgetauscht und eine Neu-Compilation erforderlich wird.

Müssen ausgefüllte Papierfragebögen aufgehoben werden?

In den Grundsätzen zum Umgang mit Forschungsdaten der Universität Wuppertal gibt es zurzeit noch keine Empfehlungen zum Umgang mit Forschungsdaten auf Papier. Auch Vorgaben der Forschungsförderer gibt es bisher kaum zu dem Thema:

DFG: Noch sind keine Empfehlungen zum Umgang mit Forschungsdaten auf Papier in das öffentlich zugängliche Regelwerk der DFG eingeflossen. Es gibt aber vorläufige Regeln, die aufgrund einer konkreten Anfrage DFG-intern vereinbart wurden. Danach müssen Forschungsdaten auf Papier nicht aufgehoben werden. Erst die erste digitale Form im Verarbeitungs-Workflow muss mindestens zehn Jahre gespeichert werden. Beispielsweise bei auf Papier ausgefüllten Fragebögen und Auswertung dieser mit Excel wäre dies die Excel-Datei, die aufgehoben werden müsste. Die ausgefüllten Fragebögen können hingegen vernichtet werden.

BMBF: Es wird geraten, dem Projektträger die Frage vorzulegen, da die Regularien zum Forschungsdatenmanagement je nach BMBF-Förderrichtlinie ganz unterschiedlich sind. Der Projektträger würde sich ggf. mit dem BMBF in Verbindung setzen.

EU Horizon 2020: Per E-Mail wurde das Legal and financial helpdesk um Auskunft gebeten zum Multi-Beneficiary General Model Grant Agreement, Version 5, Article 29.2 (a), "Moreover, the beneficiary must aim to deposit at the same time the research data needed to validate the results presented in the deposited scientific publications."  Aus der Antwort geht hervor, dass es genügt, die erste digitale Form im Verarbeitungs-Workflow aufzubewahren. Kosten für die Digitalisierung von Papierunterlagen würden erstattet. Sollten sich die Forschenden entschließen, die Papierunterlagen zu digitalisieren, müssten die Digitalisate so lange aufgehoben werden, wie andere digitale Forschungsdaten auch, d.h. so lange wie es im Grant Agreement bestimmt ist.

RDMO: Mein Projekt hat keinen Fragenkatalog mehr

Wir haben alle Fragenkataloge erneuert. Dabei haben wir sowohl auf neue fachspezifische Empfehlungen der DFG reagiert als auch auf neue gesetzliche Bestimmungen wie das Datenschutzgesetz Nordrhein-Westfalen. Leider können neue Fragenkataloge nicht automatisch Projekten zugeordnet werden. Um für Ihr Projekt einen der neuen Fragenkataloge auszuwählen, klicken Sie auf "Projektinformationen bearbeiten".

Wenn Sie zuvor mit dem Katalog "DFG" gearbeitet haben, wählen Sie einfach wieder "DFG". Der Katalog "RatSWD + DFG" musste aufgeteilt werden, da neue Empfehlungen für die Wirtschaftswissenschaften veröffentlicht worden sind. Für sozialwissenschaftliche Projekte wählen Sie "Soziologie + DFG", für wirtschaftswissenschaftliche "Ökonomie + DFG". Wenn Sie zuvor mit dem Katalog "RDMO" gearbeitet haben, wählen Sie "Alle Fragen". Bei Verwendung dieses Katalogs ist garantiert, dass alle Ihre Antworten gezeigt werden.

Sie können den Katalog beliebig oft wechseln, ohne dass etwas verloren gehen kann, weil Ihre Antworten in einer Datenbank gespeichert sind.

Die DFG erwartet Überlegungen, für welche anderen Forschungskontexte meine Forschungsdaten relevant sein könnten.

Selbstverständlich ist man sich bei der DFG darüber bewusst, dass der Blick in die Zukunft schwierig ist. Sie brauchen nur naheliegende Nachnutzungsszenarien zu erörtern. Eine Nachnutzung Ihrer Forschungsdaten ist nur möglich, wenn rechtliche Einschränkungen wie Datenschutz, Urheberrecht und vertragliche Regelungen (z.B. mit Industriepartnern) dem nicht entgegenstehen. Überlegen sie, ob es durch Aggregation der Daten, Anonymisierung oder Pseudonymisierung möglich ist, die rechtlichen Barrieren zu überwinden.

Wenn einer Datenveröffentlichung keine rechtlichen Barrieren im Weg stehen, kann es trotzdem angezeigt sein, die Daten nicht oder nicht im vollen Umfang weiterzugeben. Beispielsweise kann die Veröffentlichung von Daten zum Verhalten gesellschaftlicher Randgruppen selbst dann forschungsethisch bedenklich sein, wenn sich diese Daten nicht einzelnen Personen zuordnen lassen.

Wenn es keine Einwände gegen die Weitergabe der Forschungsdaten an (mehr) Dritte gibt, wägen Sie den potentiellen Nutzen gegen Ihren zusätzlichen Aufwand ab. Um eine Nachnutzung möglich zu machen, müssen Foschungsdaten dokumentiert werden. Ist der Mehraufwand aus Ihrer Sicht gerechtfertigt verglichen mit dem erwarteten Nutzen einer Öffnung der Daten?

Was sind Forschungsdaten?

Forschungsdaten sind Daten, die im Verlauf eines wissenschaftlichen Arbeitsprozesses erzeugt und verarbeitet werden. Sie bilden die Grundlage von Forschungsergebnissen. Dabei kann es sich um sehr unterschiedliche Arten von Daten handeln, z.B. um Messergebnisse, Sekundäranalysen, Visualisierungen, Modelle oder die Resultate von Umfragen und Erhebungen. Ebenso vielfältig sind die möglichen Datei-Formate, die auf Zahlen, Text, Programmcode oder Grafik basieren können.

Warum sollten Forschungsdaten aufbewahrt werden?

Es gehört zur guten wissenschaftlichen Praxis zumindest die Forschungsdaten, die die Grundlage publizierter Arbeiten bilden, für mindestens zehn Jahre aufzubewahren. Im Sinne der einfachen Nachprüfbarkeit von Ergebnissen sowie zur Nachnutzung sollte angestrebt werden, möglichst viele Daten öffentlich zugänglich zu machen, sie also zu publizieren. Öffentliche Förderer und große internationale Zeitschriften verlangen dies in zunehmendem Maße.

Worauf ist beim Datenmanagement zu achten?

Damit Forschungsdaten sinnvoll nachgenutzt werden können, aber auch, um ihre Erstbearbeitung und Analyse am Ende eines längeren Projektes zu erleichtern, sollte unbedingt bereits zu Beginn eines Projektes der Umgang mit Daten erörtert und in Form eines Datenmanagementplans schriftlich festgehalten werden. Dazu gehören z.B. auch Überlegungen zur systematischen Ablage und Benennung von Dateien. Sicherheitsaspekte, Datenschutz, Zugriffsrechte und Backup-Strategien sollten ebenfalls frühzeitig durchdacht werden. Bei der Publikation ist darauf zu achten, dass eine eindeutige Identifizierung der Datensätze und somit ihre Zitierbarkeit sichergestellt ist, z.B. mithilfe eines "Digital Object Identifiers" (DOI).

Welche Angaben zum Forschungsdatenmanagement gehören in meinen Förderantrag?

In welchem Umfang Sie Angaben zum Umgang mit Forschungsdaten machen müssen, hängt von der jeweiligen Ausschreibung, Ihrem Fach und der Art der in Ihrem Projekt erhobenen Daten ab. Beispielsweise hat das BMBF für den Bereich Empirische Bildungsforschung eine eigene Checkliste herausgegeben. In jedem Fall sollten Sie darlegen, wie Sie Ihre Daten gemäß der guten wissenschaftlichen Praxis für mindestens zehn Jahre aufbewahren (Empfehlung 7). In der Regel erwartet der Förderer auch, dass Sie Ihre Forschungsdaten nach Projektabschluss öffentlich zur Verfügung stellen, sofern dem keine rechtlichen Gründe (Datenschutz, Patentrecht, vertragliche Vereinbarungen mit Industriepartnern, etc.) entgegenstehen. Das wiederum setzt eine angemessene Aufbereitung voraus.

Die letzten vier Artikel wurden vom Forschungsdatenmanagement der Leibniz Universität Hannover übernommen.